Optionen Short Call: Erklärung & Beispiel

von Dean Gröning

Im Optionshandel gibt es die Möglichkeit, auch an fallenden oder seitwärts laufenden Kursen zu partizipieren. Ein Weg hierzu ist der sogenannte Short Call, der Verkauf einer Kaufoption.


Das Wichtigste in der Zusammenfassung

  • Der Short Call ist die Verpflichtung, den Basiswert liefern zu müssen, wenn die Option ausgeübt wird
  • Die Moneyness (Lage der Option) gibt Dir Auskunft darüber, ob Du mit der Call Option Gewinn oder Verlust machst
  • Der Short Call ist eine Strategie für fallende oder seitwärts laufende Märkte
  • Short Calls sind eine interessante Investment-Alternative für große Depots zur Renditeaufbesserung in Bärenmärkten
  • Der Short Call beschert Dir einen Gewinn, wenn der Kurs des Basiswertes unter dem Strikepreis bleibt


    Inhaltsverzeichnis

    Short Call Definition

    Der Aufbau eines Short Call

    Short Call Beispiel

    Für wen Short Calls geeignet sind


    Short Call Definition

    Der Short Call im Optionshandel verpflichtet Dich dazu, den zugrunde liegenden Basiswert innerhalb eines fest definierten Zeitraums zum Strikepreis (auch Basispreis) liefern zu müssen, wenn der Käufer der Call Option seine Option ausüben möchte.


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    Der Aufbau eines Short Call

    Der Short Call beschreibt die Position des Verkäufers einer Kaufoption im Optionshandel.

    Als Verkäufer (auch Stillhalter genannt) gehst Du die Verpflichtung ein, den der Option zugrunde liegenden Basiswert (Beispielsweise Aktien) zu einem festgelegten Preis, dem Strikepreis, liefern zu müssen. Für die Übernahme dieser Verpflichtung erhältst Du die Optionsprämie. Die Verpflichtung ist zeitlich begrenzt: Nur bis zum Ende der Laufzeit der Option kann der Käufer sie ausüben. Danach bist Du von der Verpflichtung befreit.

    Der Short Call ist eine Strategie für fallende und seitwärts tendierende Märkte

    Das folgende Payoff-Diagramm zeigt Dir, wie Deine möglichen Gewinne und Verluste beim Verkauf eines Calls aussehen:


    short call option payoff diagramm moneten magier



    Dein Verlust ist (theoretisch) unbeschränkt, da der Kurs der Aktien (Underlying) unendlich steigen kann. Auf jeden Fall darfst Du immer die eingenommene Optionsprämie als Gewinn verbuchen.

    Der Short Call und die Moneyness

    Grundsätzlich wird der Preis einer Option vom Kurs des Basiswerts bestimmt. Je höher der Kurs steigt, desto höher steigt auch die Optionsprämie und vice versa.

    Für Short Calls gelten vereinfacht folgende Zusammenhänge:

    • Kurs des Basiswert liegt unterhalb des Basispreis = Option ist "out of the money" OTM
    • Kurs Basiswert entspricht dem Basispreis = Option ist "at the money" ATM
    • Kurs Basiswert liegt oberhalb des Basispreis = Option ist "in the money" ITM

    Diese Lage der Option zum Geld (Moneyness) ist entscheidend darüber, ob Du mit Deinen Short Calls einen Gewinn oder Verlust erzielst.

    Verlustrisiko ist (theoretisch) unbegrenzt

    Steigt der Kurs des Basiswerts über den Strikepreis (Basispreis), ist es für den Käufer sinnvoll, die Option auszuüben. In diesem Fall musst Du den Basiswert (Aktien) zu dem günstigeren Preis (Basispreis) liefern. Hast Du die Aktien jedoch nicht im Depot, musst Du sie zunächst an der Börse zum aktuell höheren Kurs kaufen, um sie anschließend gleich wieder zum niedrigeren Preis liefern zu müssen.

    Da der Kurs der Aktien nun (theoretisch) unendlich steigen kann, ist Dein Verlustrisiko unbegrenzt.

    Gewinn ist beschränkt auf Höhe der Optionsprämie

    Bleibt der Kurs des Underlyings unterhalb des Strikepreis (fällt oder läuft seitwärts), ist die gesamte Optionsprämie Dein Gewinn.

    Short Seller wollen die Optionsprämie kassieren

    Der Short Call ist also eine Möglichkeit, bei fallenden oder seitwärts laufenden Kursen trotzdem Gewinne zu erzielen.

    Warum überhaupt in Short Calls investieren?

    Wenn dem unbeschränkten Verlust lediglich die Einnahme der Optionsprämie gegenüber steht, wirft dies doch schnell die Frage auf, warum Du überhaupt in Short Calls investieren solltest?


    short call warum investieren moneten magier



    Zusätzliche Rendite im Depot

    Nehmen wir einmal an, Du hast 1.000 Aktien eines Unternehmens im Depot und Du erwartest für diese seitwärts laufende oder sogar fallende Kurse. In diesem Fall würdest Du Buchverluste erzielen.

    Eine mögliche Strategie wäre es nun, die Aktien rechtzeitig zu verkaufen. Wenn Du jedoch langfristig mit steigenden Kursen rechnest, ist dies unbefriedigend.

    Alternativ könntest Du nun beispielsweise 10 OTM Call Optionen auf diese Aktien verkaufen. Tritt dann kurzfristig die von Dir erwartete Kurskorrektur ein, kannst Du die Optionsprämien kassieren und hast somit eine Rendite erzielt; zusätzlich zu den Kursgewinnen, wenn die Kurse langfristig wieder steigen sollten.

    Man nennt diese Strategie auch Covered Call, weil Du die Aktien, welche Du über die Option liefern müsstest, im Depot hast. Dein Risiko wird dadurch extrem eingegrenzt und besteht - richtig angewandt - lediglich noch aus möglichen entgangenen Gewinnen.

    Statistischer Vorteil beim Short Selling

    Im Optionshandel und grundsätzlich bei der technischen Chartanalyse ist es einfacher, mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wo die Kurse nicht hingehen als wo sie hingehen werden.

    Je weiter die Call Optionen, welche Du verkaufst, "out of the money" liegen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Option ausgeübt wird. Mit etwas Erfahrung kannst Du es dadurch schaffen, eine extrem hohe Trefferquote an Gewinnertrades zu erzielen und Geld zu verdienen.



    Short Call Beispiel

    Mach Dir abschließend die Funktion eines Short Calls am folgenden Beispiel klar:

    Der Kurs einer Aktie mag bei 100 € notieren, Du möchtest nun Call Optionen auf diese Aktie verkaufen.

    Du hast folgende Optionen mit einer Restlaufzeit von beispielsweise 3 Monaten zur Auswahl:

    Strikepreis Optionsprämie
    90 €
    1.025 €
    100 €
    100 €
    110 €
    8 €

    Die Optionsprämie beim Strike von 90 € hat einen inneren Wert von allein 1.000 € und ist deshalb erheblich teurer.

    Nun gibt es grundsätzlich zwei spannende Szenarien:

    1. Der Kurs der Aktie steht in 3 Monaten bei 110 €

    Strike Moneyness
    Prämie
    Gewinn
    90 €
    ITM
    1.025 €
    -975 €
    100 €
    ITM
    100 €
    -900 €
    110 €
    ATM
    8 €
    +8 €


    Im ersten Fall wird der Käufer die Option ausüben wollen: Du musst die Aktien also für 110 € kaufen, um sie dann zum Strikepreis von 90 € an den Optionsinhaber zu liefern. Dein Verlust sind demnach -975 € (-20 € x 100 Aktien + 1.025 € Optionsprämie). Im zweiten Fall sieht es identisch aus (-10 € x 100 Aktien + 100 € Optionsprämie). Lediglich im letzten Fall ist die Ausübung der Option nicht sinnvoll und Du kannst die gesamte Optionsprämie als Gewinn verbuchen.


    2. Der Kurs der Aktie steht in 3 Monaten bei 90 €

    Strike Moneyness
    Prämie
    Gewinn
    90 €
    ATM
    1.025 €
    +1.025 €
    100 €
    OTM
    100 €
    +100 €
    110 €
    OTM
    8 €
    +8 €

    In keinem der Fälle ist es für den Inhaber von Vorteil, die Option auszuüben, da er die Aktien günstiger direkt an der Börse kaufen könnte. Du kannst also in allen 3 Fällen die Optionsprämie zu 100% als Gewinn verbuchen.

    Das Beispiel zeigt, dass Du immer dann Gewinne machst, wenn die Option am Ende der Laufzeit OTM liegt und auf Grund dessen wertlos verfällt.



    Für wen Short Calls geeignet sind

    Short Calls sind geeignet für Fortgeschrittene Optionshändler, da bei falscher Handhabung das Risiko sehr hoch ist. Du kannst Short Calls einzeln handeln oder mit anderen Optionen zu komplexeren Strategien verknüpfen.



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