Optionen Short Call: Erklärung & Beispiel

von Dean Gröning

Der Short Call ist eine der vier Basisstrategien im Optionshandel und stellt den Verkauf einer Kaufoption dar.


Das Wichtigste in der Zusammenfassung

  • Der Short Call verbrieft die Verpflichtung, den Basiswert innerhalb einer festgelegten Frist zum Strikepreis liefern zu müssen
  • Der Short Call ist eine bearishe Strategie und Du partizipierst von fallenden oder seitwärts laufenden Kursen
  • Als Verkäufer erhältst Du eine Prämie vom Käufer der Option
  • Beim Short Call handelt es sich um eine sogenannte "single-leg-strategy"; Du handelst lediglich eine einzelne Option für diese Strategie
  • Das Gewinnpotential bei Short Calls ist auf die Höhe der Optionsprämie begrenzt
  • Das Verlustpotential ist nicht definiert (unbegrenzt)
  • Short Calls profitieren von einer Abnahme der impliziten Volatilität
  • Short Calls profitieren vom Zeitwertverfall bei Optionen


    Inhaltsverzeichnis

    1. Short Call Definition
    2. Marktbedingungen für den Short Call
    3. Das Setup des Short Call
    4. Das Short Call Payoff Diagramm
    5. Wie eröffnest Du einen Short Call?
    6. Wie schließt Du einen Short Call?
    7. Der Zeitwertverfall beim Short Call
    8. Die implizite Volatilität beim Short Call
    9. Einen Short Call anpassen
    10. Einen Short Call rollen
    11. Einen Short Call hedgen



    1. Short Call Definition

    Ein Short Call verpflichtet Dich, den zugrunde liegenden Basiswert (Aktien) innerhalb eines fest definierten Zeitraums zum Strikepreis liefern zu müssen.

    Mit Optionen kannst Du Dein Investmentkapital hebeln: Mit einer Option handelst Du jeweils 100 Aktien des Basiswertes. Short Calls stellen somit eine preisgünstige Alternative zum direkten Leerverkauf von Aktien dar. Wenn Du Calls verkaufst, ohne den zugrunde liegenden Basiswert im Depot zu haben, nennt man dies auch "naked" oder "uncovered", weil Du keine Absicherung für diesen Trade hast, die Dich vor Verlusten schützt. In solch einem Fall wird Dein Broker eine Margin (Sicherheitsleistung) berechnen und einfordern.


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    2. Marktbedingungen für den Short Call

    Einen Short Call handelst Du, wenn Du der Meinung bist, dass der Kurs des Basiswertes am Verfallstag unterhalb des Strikepreis liegen wird und/oder Du davon ausgehst, dass die implizite Volatilität fallen wird. Der Profit wird dadurch größer, je näher die Option dem Verfallsdatum kommt.

    Du kannst einen Short Call ebenfalls handeln, wenn Du Aktien Positionen im Depot hast, die Du verkaufen möchtest. Du würdest in diesem Fall die Aktien zum Strikepreis abgeben, wenn der Käufer die Option ausübt und die kassierte Optionsprämie als zusätzlichen Gewinn verbuchen.



    3. Das Setup des Short Call

    Die Position eines Short Call kannst Du aufbauen, indem Du einfach einen Call verkaufst (schreibst).

    Dein Broker liefert Dir hierzu mittels einer sogenannten Optionskette die möglichen Preise zu den unterschiedlichen Strikepreisen. Einer solchen Optionskette kannst Du neben der Geld-Brief-Spanne noch weitere nützliche Informationen entnehmen.

    Den Betrag, den Du vom Käufer für den Verkauf der Option erhältst, bezeichnet man als Optionsprämie (Prämie). Die Höhe der Prämie hängt von verschiedenen Parametern ab: Beispielsweise der Lage der Option zum Strikepreis (Moneyness), der Länge der Restlaufzeit und der Höhe der impliziten Volatilität.



    4. Das Short Call Payoff Diagramm

    Das Payoff Diagramm zeigt Dir, welches Risiko Du mit einem Short Call eingehst und welchen Profit Du erzielen kannst. Wie Du erkennen kannst, ist das Gewinnpotential auf die Höhe der vereinnahmten Prämie beschränkt. Das Verlustpotential hingegen ist nicht definiert (unbegrenzt).

    Handelst Du also beispielsweise einen Short Call zum Strike von 100 USD und kassierst dafür 10 USD Prämie, so ist Dein maximaler Gewinn 1.000 USD (10 USD x 100 Aktien). Der Strikepreis zzgl. der vereinnahmten Prämie ergibt den Break-even-Punkt: Er liegt in diesem Beispiel also bei einem Kurs von 110 USD. Oberhalb des Break-even-Punktes ist Dein Verlustrisiko unbegrenzt: Je höher der Kurs der Aktie steigt, desto höher wird auch Dein Verlust ausfallen.


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    5. Wie eröffnest Du einen Short Call?

    Um einen Short Call zu eröffnen, übermittelst Du einfach eine Verkaufsorder an Deinen Broker.

    Hierbei kannst Du entweder eine sogenannte Market-Order verwenden (Die Ausführung wird garantiert, allerdings nur zum best möglichen Kurs) oder eine Limit-Order (Die Ausführung wird nicht garantiert, dafür zahlst Du jedoch auch maximal den vorher eingegebenen Höchstbetrag). Nach Ausführung wird Deinem Handelskonto die Optionsprämie gutgeschrieben.

    • Verkauf eines Call zum Strike von 100 USD

    Der Handel eines Short Calls ist mit großen, potentiellen Verlustrisiken verbunden. Aus diesem Grund wird Dein Broker bei der Eröffnung dieses Trades eine Sicherheitsleistung (Margin) in Form eines bestimmten Geldbetrags fordern. Die Höhe der Margin hängt von den Bestimmungen des Brokers, dem Aktienkurs und der Volatilität ab. Sie schwankt stark und wird täglich vom Broker neu berechnet. Es kann also passieren, dass Du bei einem Anstieg der Volatilität eine höhere Margin hinterlegen musst.



    6. Wie schließt Du einen Short Call?

    Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, wie Du die Position Deines Short Calls schließen kannst. Die erste Möglichkeit besteht darin, die offene Position während der Laufzeit zurückzukaufen und die Position dadurch zu schließen. Für den Kauf zahlst Du eine Prämie; sollte die gezahlte Prämie über dem Betrag liegen, welchen Du für den Verkauf des Call eingenommen hast, machst Du Verlust. Solltest Du die Position günstiger zurückkaufen können, machst Du Gewinn.

    Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass der Käufer die Option ausüben möchte. Sollte die Option am Verfallstag "in the money" liegen, ist dies für ihn vorteilhaft. In diesem Fall musst Du die Aktien des Basiswertes zum Strikepreis liefern. Dies geschieht automatisch durch Deinen Broker, welcher entweder die Aktien aus Deinem Depot ausbucht (falls Du Sie im Bestand hast) oder den entsprechenden Gegenbetrag in EUR/USD belastet.

    Die letzte Variante besteht darin, dass der Käufer die Option wertlos verfallen lässt. Dies ist wahrscheinlich, wenn die Option "out of the money" liegt. In diesem Fall darfst Du die komplette vereinnahmte Prämie als Gewinn vereinnahmen.



    7. Der Zeitwertverfall beim Short Call

    Der extrinsische Wert einer Option wird primär von der Länge der Restlaufzeit und der Höhe der impliziten Volatilität bestimmt. Sollten alle anderen Marktbedingungen unverändert bleiben, verlieren Optionen jeden Tag an Wert, da die Restlaufzeit kleiner wird und damit die Möglichkeit, auf Kursbewegungen zu reagieren, abnimmt. Dies nennt man Zeitwertverfall, welche durch die Kennzahl Theta gemessen wird.

    Der Zeitwertverfall sorgt also für eine kontinuierliche Reduzierung der Optionsprämie, bis sie am Verfallstag wertlos sind (bei "out of the money" Optionen). Der Zeitwertverfall wirkt sich demnach positiv auf die Position des Short Calls aus, da Du im Idealfall die Option günstiger zurückkaufen kannst, als Du sie verkauft hast.



    8. Die implizite Volatilität beim Short Call

    Die implizite Volatilität IV misst die zukünftig erwartete Schwankungsbreite der Kurse des Underlyings. Je höher die IV beurteilt wird, desto teurer sind die Optionen, da höhere Kursschwankungen als Risiko eingepreist sind.

    Sollte die IV während der Laufzeit zurückgehen, verliert die Option schneller an Wert, da der Preis günstiger wird. Mit einem Short Call spekulierst Du also auf einen Rückgang der IV, um die Option günstiger zurückkaufen zu können, als Du sie zur Eröffnung des Trades verkauft hast. Idealerweise eröffnest Du also Deinen Short Call bei hoher IV und hoffst auf einen Rückgang während der Restlaufzeit der Option.



    9. Einen Short Call anpassen

    Um Dein Risiko (und damit auch die Höhe der notwendigen Margin) zu reduzieren, kannst Du Deinen Short Call während der Laufzeit adjustieren oder anpassen, falls der Kurs des Underlyings gegen Dich laufen sollte.

    Hierzu kannst Du einfach einen Call mit höherem Strike kaufen und Deinen Short Call dadurch in einen Bear Call Credit Spread umwandeln. Die Höhe des Strike der Long Position definiert Dein Restrisiko. Allerdings geht die gezahlte Prämie für den Long Call zulasten Deiner Prämieneinnahme aus dem Verkauf des Short Call und mindert somit Deinen Gewinn.

    Du hast beispielsweise einen Short Call zum Strike von 100 USD verkauft und dafür 10 USD Prämie vereinnahmt. Nun steigt der Kurs des Underlyings und Du möchtest einen Call mit Strike 115 USD kaufen. Hierfür wird eine Prämie von 3 USD fällig. Hierdurch verringert sich Dein maximaler Gewinn von 1.000 USD (10 USD x 100 Aktien) auf 700 USD ((10 USD - 3 USD) x 100 Aktien). Im Gegenzug für diese Reduzierung minimierst Du jedoch auch Dein maximales Verlustrisiko auf 800 USD minimiert (Differenz von Break-Even-Point 107 und Strike von 115 USD).

    • Kauf eines Call zum Strike von 115 USD


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    10. Einen Short Call rollen

    Sollte das Szenario eintreten, dass Du die Restlaufzeit des Trades verlängern möchtest, kannst Du den Short Call vorwärts rollen. Dies bedeutet im Grunde genommen, dass Du den offenen Short Call zurückkaufst und einen neuen Short Call mit längerer Restlaufzeit und identischem Strike verkaufst.

    Durch das Rollen der Option solltest Du noch mehr Prämien einnehmen, der Break-even-Punkt wird erweitert, das Risiko wird um die erhaltene Prämie reduziert, bleibt jedoch undefiniert (unbegrenzt).

    Hast Du einen Short Call zum Strike von 100 USD mit Verfallsdatum Juni gehandelt, kannst Du diese Position schließen und einen neuen Short Call zum identischen Strike mit Verfallsdatum Juli verkaufen. Solltest Du durch das Rollen eine zusätzliche Prämie von 3 USD einnehmen, erhöht sich Dein Break-even-Point auf 113 USD.


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    11. Einen Short Call hedgen

    In gewisser Weise kannst Du auch Dein Risiko reduzieren, falls der Trade sich nicht nach Deinen Vorstellungen entwickelt. Hierzu verkaufst Du zusätzlich einen Short Put mit identischem Strike und identischer Restlaufzeit, so daß im Grunde genommen ein Short Straddle entsteht.

    Aus dem Verkauf des Short Put erhältst Du zusätzliche Prämieneinnahmen; Dein Break-Even-Point verschiebt sich in Höhe der zusätzlichen Prämie nach oben/unten über/unter den entsprechenden Strike. Durch das Rollen erhöhtst Du Deine Prämieneinnahme und erweiterst den Break-even-Bereich; Dein Risiko bleibt jedoch grundsätzlich undefiniert (unbeschränkt).

    • Verkauf eines Put zum Strike von 100 USD

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    Gerät der Short Call unter Druck, kannst Du beispielsweise einen Short Put verkaufen und dadurch zusätzliche Prämien in Höhe von 5 USD kassieren, verschiebt sich der Break-even-Point auf der oberen Seite auf 115 USD (110 USD + 5 USD) und auf der unteren Seite auf 85 USD (100 USD - 15 USD).



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