Die Moneyness: Ein Bericht zur Lage der Option

von Dean Gröning

Wenn Du im Optionshandel dauerhaft Gewinne erzielen möchtest, brauchst Du ein funktionierendes Verhältnis von eingegangenen Risiken zu erzielten Gewinnen. Bei der Beantwortung der Frage, welches Verhältnis nun sinnvoll und erfolgversprechend ist, hilft Dir die sogenannte Moneyness (Geldnähe).


Das Wichtigste in der Zusammenfassung

  • Die Moneyness beschreibt die Lage des aktuellen Basispreises im Verhältnis zum Strikepreis der Option
  • Optionen können grundsätzlich eine von drei möglichen Lagen haben: "in the money", "at the money" oder "out of the money"
  • Nur Optionen "in the money" haben einen inneren Wert
  • Als Optionsverkäufer verkaufen wir "out of the money" Optionen


Inhaltsverzeichnis

Definition Moneyness

Moneyness Option

Berechnung der Moneyness

Innere Wert einer Option

Anwendung der Moneyness in Deinem Trading


Definition Moneyness

Um den Begriff der Moneyness verstehen zu können, wiederholen wir kurz zuvor zwei weitere Begriffe für Dein besseres Verständnis:

Strikepreis

Der Strikepreis, auch Basispreis oder Ausübungspreis genannt, ist der Preis, zu dem der Käufer einer Option das Kauf- oder Verkaufsrecht ausüben kann. Wird eine Option zum Strike 100 $ gehandelt, bedeutet dies, dass der Käufer den zugrunde liegenden Basiswert (Underlying) zum Kurs von 100 $ kaufen/verkaufen kann, unabhängig davon, wie hoch der Basiswert gerade an der Börse gehandelt wird.

Aktueller Basiskurs

Jeder Basiswert, beispielsweise eine Aktie, wird außerhalb des Optionshandels, auch direkt an verschiedenen Börsen gehandelt. Der Preis, zu dem der Basiswert dort ge- und verkauft werden kann, ist der aktuelle Basiskurs (oder einfach Kurs). Es handelt sich also um den aktuellen Kurs, zu dem der Basiswert gerade notiert wird.

Moneyness

Die Moneyness, im Deutschen vielleicht am ehesten mit dem Begriff "Geldnähe" zu übersetzen, beschreibt nun das Verhältnis des Basispreises zum aktuellen Basiskurs.

Die Moneyness beschreibt die Lage des aktuellen Basispreises im Verhältnis zum Strikepreis der Option

Theoretisch wie praktisch können im Rahmen dieser "Geldnähe" oder "Lage zum Geld" drei verschiedene Szenarien entstehen:

  • Der Basiskurs liegt über dem Strikepreis
  • Der Basiskurs entspricht genau dem Strikepreis
  • Der Basiskurs liegt unter dem Strikepreis

An der folgenden Grafik kannst Du Dir den Sachverhalt verdeutlichen:


moneyness moneten magier geldnaehe lage der option


Diese 3 Sachverhalte haben im Optionshandel spezielle Namen, welche Du Dir nun im Detail ansehen kannst.


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Moneyness Option

Die "Lage der Option zum Geld" wird in der Fachsprache des Optionshändlers mit den Begriffen "in the money", "at the money" und "out of the money" umschrieben.

In the money

Eine Option ist "in the money", wenn sie einen inneren Wert hat. Die Option ist jetzt "im Geld".

Wichtig zu wissen: Put Optionen und Call Optionen müssen sich demnach unterscheiden. Es gilt

  • Call Option: Ist "in the money", wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes oberhalb des Strike notiert
  • Put Option: Ist "in the money", wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes unterhalb des Strike notiert

Mach Dir dies an dem folgenden Beispiel klar:


moneynes in the money moneten magier


Beispiel Call Option in the money

Du hast eine Call Option gekauft mit dem Strike 50 USD. Das bedeutet, Du kannst während der Restlaufzeit der Option zum Preis von 50 USD über die Ausübung des Optionsrechts Aktien (Underlying) kaufen.

Der Kurs der Aktie wird an der Börse nun aktuell mit 60 USD notiert, der Basiskurs liegt also über dem Strike.

In diesem Szenario ist Deine Call Option "in the money", da es für Dich sinnvoll ist, die Option auszuüben. Du würdest ja über die Option die Aktie 10 USD günstiger das Stück beziehen als bei einem Direktkauf über die Börse.

Beispiel Put Option in the money

Du hast eine Put Option gekauft mit dem Strike 50 USD. Das bedeutet, Du kannst während der Restlaufzeit der Option zum Preis von 50 USD über die Ausübung des Optionsrechts Aktien (Underlying) verkaufen.

Der Kurs der Aktie wird an der Börse nun aktuell mit 40 USD notiert, der Basiskurs liegt also unter dem Strike.

In diesem Szenario ist Deine Put Option "in the money", da es für Dich sinnvoll ist, die Option auszuüben. Du würdest ja über die Option die Aktie 10 USD teurer das Stück verkaufen als bei einem Direktverkauf über die Börse.

At the money

Ein Option ist "at the money", wenn der Strike gleich dem Basispreis entspricht. Die Option ist jetzt "am Geld".

In diesem Fall gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen Calls und Puts. In beiden Fällen gilt:

  • Der Strikepreis entspricht genau dem aktuellen Kurs des Basiswertes


moneyness at the money moneten magier


Beispiel Option at the money

Du hast eine Option im Depot, welche auf den Strikepreis von 50 USD läuft. Aktuell notiert der Kurs des dazugehörigen Underlyings (Basiswert, beispielsweise eine Aktie) zufällig ebenfalls genau bei 50 USD.

Der Kurs der Aktie entspricht also genau dem Strike.

In diesem Szenario ist es eigentlich egal, ob Du die Option nutzt oder nicht, da Du den Basiswert zum gleichen Kurs auch direkt an der Börse kaufen/verkaufen kannst. Beim trading in der Praxis ist dies eher eine theoretische Momentaufnahme, da die Kurse ja ständig schwanken und daher eher über oder unter dem Strike notieren.

Out of the money

Eine Option ist "out of the money", wenn sie keinen inneren Wert mehr hat. Die Option ist jetzt "aus dem Geld".

Auch in diesem Fall müssen sich Put und Call Optionen unterscheiden. Es gilt

  • Call Option: Ist "out the money", wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes unterhalb des Strike notiert
  • Put Option: Ist "out the money", wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes oberhalb des Strike notiert

Die folgende Grafik veranschaulicht Dir erneut den Zusammenhang:


moneyness out of the money moneten magier


Beispiel Call Option out of the money

Du hast eine Call Option gekauft mit dem Strike 100 USD. Das bedeutet, Du kannst während der Restlaufzeit der Option zum Preis von 100 USD über die Ausübung des Optionsrechts Aktien (Underlying) kaufen.

Der Kurs der Aktie wird an der Börse nun aktuell mit 75 USD notiert, der Basiskurs liegt also unter dem Strike.

In diesem Szenario ist Deine Call Option "out of the money", da es für Dich nicht sinnvoll ist, die Option auszuüben. Du würdest ja bei einem Direktkauf über die Börse die Aktie 25 USD günstiger das Stück beziehen als über die Ausübung der Option.

Beispiel Put Option out of the money

Du hast eine Put Option gekauft mit dem Strike 100 USD. Das bedeutet, Du kannst während der Restlaufzeit der Option zum Preis von 100 USD über die Ausübung des Optionsrechts Aktien (Underlying) verkaufen.

Der Kurs der Aktie wird an der Börse nun aktuell mit 130 USD notiert, der Basiskurs liegt also über dem Strike.

In diesem Szenario ist Deine Put Option "out of the money", da es für Dich nicht sinnvoll ist, die Option auszuüben. Du würdest ja über einen Direktverkauf über die Börse die Aktie 30 USD teurer das Stück verkaufen als über die Ausübung der Option.

Alle Möglichkeiten der Moneyness in der Übersicht


Moneyness Call-Option
Put-Option
In the money
Strike < Basiskurs
Strike > Basiskurs
At the money
Strike = Basiskurs
Strike = Basiskurs
Out of the money
Strike > Basiskurs
Strike < Basiskurs



Berechnung der Moneyness

Die Moneyness einer Option kannst Du mittels der folgenden Berechnung ermitteln:


moneyness berechnung moneten magier


Um alle Optionen miteinander vergleichbar zu machen, gilt immer die gleiche Regel:

  • Moneyness > 1 bedeutet: Die Option ist "in the money" oder "im Geld"
  • Moneyness < 1 bedeutet: Die Option ist "out of the money" oder "aus dem Geld"
  • Moneyness = 1 bedeutet: Die Option ist "at the money" oder "am Geld"

Außerdem kannst Du an der Größe der berechneten Kennzahl erkennen, wie weit in Prozent die Option im oder aus dem Geld ist.

Auch hierzu ein paar Beispiele zum besseren Verständnis:

Berechnung der Moneyness Beispiele

Nehmen wir an, Du hast eine Call Option mit dem Strikepreis 100 USD im Depot.

Dann ergeben sich folgende Möglichkeiten hinsichtlich der Lage der Option:

  • Basiskurs > Strike, beispielsweise 120 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 1,2 (120/100) und die Option liegt 20% "im Geld"
  • Basiskurs = Strike, hier 100 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 1 (100/100) und die Option liegt "am Geld"
  • Basiskurs < Strike, beispielsweise 75 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 0,75 (75/100) und die Option liegt 25% "aus dem Geld"

Nehmen wir nun an, Du hast eine Put Option mit dem Strikepreis 100 USD im Depot.

Dann ergeben sich folgende Möglichkeiten hinsichtlich der Lage der Option:

  • Basiskurs > Strike, beispielsweise 120 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 0,83 (100/120) und die Option liegt ca. 17% "aus dem Geld"
  • Basiskurs = Strike, hier 100 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 1 (100/100) und die Option liegt "am Geld"
  • Basiskurs < Strike, beispielsweise 75 USD. Dann ergibt die Berechnung der Moneyness 1,33 (100/75) und die Option liegt ca. 33% "im Geld"


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Innere Wert einer Option

Was hat die Moneyness jetzt mit dem Wert einer Option (= Preis) zu tun?

Grundsätzlich gilt: Der Wert einer Option setzt sich zusammen aus den Bestandteilen Zeitwert und inneren Wert.

Innerer Wert: Differenz zwischen dem Basispreis der Option und dem Kurs des Underlyings

Ein paar Beispiele zur Erläuterung:

Der innere Wert bei Call Optionen

Du hast eine Call Option mit Strike 50 EUR und der Kurs des Underylings steht bei 60 EUR, dann liegt Deine Option "in the money".

Der innere Wert der Option beträgt in diesem Fall 10 EUR, nämlich 60 EUR (aktuelle Kurs) - 50 EUR (Strike) = 10 EUR.

Diese 10 EUR entsprechen Deinem Gewinn, wenn Du die Option ausüben würdest: Du kaufst Aktien über die Option für 50 EUR und verkaufst sie sofort an der Börse für 60 EUR.

Der innere Wert bei Put Optionen

Du hast eine Put Option mit Strike 50 EUR und der Kurs des Underlyings steht bei 30 EUR, dann liegt auch diese Option "in the money".

Der innere Wert der Option beträgt in diesem Fall 20 EUR, nämlich 50 EUR (Strike) - 30 EUR (aktuelle Kurs) = 20 EUR.

Diese 20 EUR entsprechen Deinem Gewinn, wenn Du die Option ausüben würdest: Du kaufst an der Börse Aktien für 30 EUR und verkaufst sie sofort wieder über die Option für 50 EUR.

Fazit:

Nur "in the money" Optionen haben einen inneren Wert und werden ausgeübt



Anwendung der Moneyness in Deinem Trading

Abschließend möchte ich Dir noch kurz erklären, wie Du die Moneyness für Deinen persönlichen Handel mit Optionen nutzen kannst.

Die Long Position im Optionshandel

Möchtest Du die Long Position im Handel einnehmen, ist ein wichtiger Faktor für den Preis der Option, den Du als Käufer zahlen musst, die Moneyness (Lage der Option).

  • Je weiter die Option "out of the money" ist, desto günstiger ist sie auch
  • Je weiter die Option "out of the money" ist, desto unwahrscheinlicher ist es auch, dass sie bis zum Ende der Laufzeit einen Gewinn bringt ("in the money" wird)

Du musst für Dich also entscheiden, welcher Preis Dir im Verhältnis zu den Gewinnchancen als vorteilhaft erscheint.

Die Short Position im Optionshandel

Auch, wenn Du die Short Position im Handel einnehmen möchtest, gelten für Dich die gleichen Prinzipien, nur anders herum:

  • Je näher die Option "am Geld" oder "im Geld" ist, desto größer fällt die Optionsprämie aus, welche Du vom Käufer gezahlt bekommst
  • Je weiter die Option "aus dem Geld" ist, desto höher fällt die Wahrscheinlichkeit aus, dass die Option wertlos verfällt und Du die Prämie kassieren kannst

Auch hier gilt es für Dich abzuschätzen, welches Risiko Du einzugehen bereit bist im Verhälttnis zur Höhe Deines Gewinns (= Optionsprämie).

Ich persönlich trade als Stillhalter gerne Optionen, die weit "out of the money" liegen. Da habe ich eine hohe Trefferquote an Gewinntrades, bekomme je Trade jedoch nur eine relativ kleine Prämie.



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Ich bin überzeugt davon, dass sich Geld, Renditen, Kapitalismus und Werte nicht gegenseitig ausschließen.

Im Gegenteil: Geld richtig eingesetzt führt dazu, dass unser aller Leben besser und schöner wird.

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand - Charles Darwin

Wir haben nur diese eine Erde, sie ist unser aller Zuhause. Und unser Zuhause sollte sauber und intakt sein, damit wir dort gesund und glücklich leben können.

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