Implizite Volatilität Optionen: Die Schwankungsbreite im Optionshandel

VON DEAN GRÖNING

Wenn Du den Handel mit Optionen erfolgreich in Dein Trading einbauen möchtest, solltest Du Dich meiner Meinung nach unbedingt mit der impliziten Volatilität IV beschäftigen.

Diese einfache Kennzahl hat eine große Bedeutung und mir persönlich sehr dabei geholfen, meinen Handel rentabel bzw. rentabler zu gestalten und die Risiken zu minimieren.

Was Du in diesem Beitrag lernen kannst

In meinem Artikel Implizite Volatilität Optionen erfährst Du, welchen Aussagewert die Kennzahl IV hat und welchen Einfluss sie im Optionshandel besitzt.

Ferner zeige ich Dir, wie und wo Du Dich bei Deinem Broker oder im www über die aktuelle IV informieren kannst und welcher Zusammenhang zu den Options-Griechen besteht.

Abschließend gebe ich Dir dann noch ein paar Tips, wie Du dieses Wissen für Dein Trading nutzen kannst.


Inhaltsverzeichnis

Begriffsdefinition: Was sagt die implizite Volatilität aus?

Historische vs. implizite Volatilität

Implizite Volatilität Optionen: Ihre Bedeutung im Optionshandel

Volatilitätsindex: VIX

Das Vega

Die implizite Volatilität und Dein Trading



Begriffsdefinition: Was sagt die implizite Volatilität aus?

Die implizite Volatilität ist eine Kennzahl, welche für Finanzderivate (Optionen) berechnet wird.

Die implizite Volatilität gibt Auskunft über die künftige Schwankungsbreite des Basiswertes über die Restlaufzeit bei Optionen

Verdeutlichen wir uns dies am folgenden Beispiel:


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Die Grafik zeigt die Kursentwicklung der Tesla-Aktie. Im unteren Bereich habe ich als Kennzahl die historische Volatilität HV eingefügt. Du kannst dort ablesen, dass sie aktuell für Tesla im Bereich kurz unter 47 % notiert.

Volatilität und Risiko

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was bedeutet ein Wert von knapp 50 % historischer Volatilität überhaupt?

Ganz einfach ausgedrückt:

Die Volatilität ist ein Risikoindikator

Anhand der Höhe der Volatilität kannst Du einschätzen, ob Dein Optionstrade einem hohen oder niedrigen Risiko unterliegt.

Um das besser verstehen zu können, zeige ich Dir kurz, wie sich eigentlich historische und implizite Volatilitäten berechnen.



Historische vs. implizite Volatilität

Als erstes müssen wir sicherstellen, dass wir beide über das Gleiche reden: In der Finanzwelt existieren nämlich zwei Volatilitäten.

Die historische Volatilität

Die historische Abweichung stellt die Abweichung der Kurse vom Mittelwert dar.

Du berechnest also beispielsweise rückwirkend den Durchschnittskurs der letzten 90 Tage und bestimmst anschließend die durchschnittliche Abweichung von diesem Kurs.

Die historische Volatilität ist somit unveränderlich und lässt keinerlei Rückschlüsse auf zukünftige Kursentwicklungen zu.

Um ehrlich zu sein: Für mich und mein persönliches Trading hat die HV keinerlei Bedeutung. Ich erwähne sie hier lediglich, damit Du beim Optionshandel nicht versehentlich die falsche Kennzahl nutzt und daraus (falsche) Rückschlüsse ziehst, die Dich Geld kosten.

Exkurs: Die Normalverteilung und die Standardabweichung


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Die obige Grafik zeigt die die typische Gaußsche Normalverteilung (Glockenform) an. Der rote Strich stellt den Mittelwert dar, bezogen auf unser obiges Beispiel den durchschnittlichen Kurs der letzten 90 Tage einer Aktie.

Per mathematischer Berechnung (1. Standardabweichung) erhältst Du einen Bereich (Schwankungsbreite), der ca. 68 % der Datenwerte beinhaltet.

Beispiel: Den durchschnittlichen Kurs der Aktie hast Du mit 100 € berechnet und die Standardabweichung beträgt +/- 10 €. Dann bedeutet dies, dass 68 % aller Kurse sich im Bereich zwischen 90 € und 110 € befinden (100 € +/- 10 €).

95 % aller Kurse befinden sich im Bereich zwischen 80 € und 120 € (2. Standardabweichung) und 99 % aller Kurse befinden sich zwischen 70 € und 130 € (3. Standardabweichung).

Die implizite Volatilität

Im Optionshandel hat in meinen Augen die implizite Volatilität hingegen eine größere Bedeutung.

Du hast bereits gelernt, dass die IV die Schwankungsbreite der Kurses des Basiswertes über die Restlaufzeit einer Option darstellt.

Im Gegensatz zur historischen Volatilität unterliegt die implizite Volatilität einer ständigen Veränderung, da sie auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage basiert. Dies hängt auch damit zusammen, dass sie die Restlaufzeit (Zukunft) einer Option behandelt und nicht die historischen Daten (Vergangenheit) von Aktien.

Berechnet wird sie, in dem man die gängigen Optionspreismodelle (z.B. Black-Scholes-Modell) mittels mathematischer Näherungsverfahren nach der Volatilität auflöst.

Die genaue Herleitung und Berechnung ist an dieser Stelle nicht weiter wichtig, da sie uns als Kennzahl von vielen Brokern und Börsen automatisch geliefert wird.

Auch hier jedoch zum besseren Verständnis ein Beispiel:

Die implizite Volatilität wird als Prozentsatz für den annualisierten, erwarteten Standardabweichungsbereich von Aktien auf Basis der Optionspreise dargestellt

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Zur Erklärung folgendes Beispiel:

Der Kurs einer Aktie notiert bei 1.000 € und die implizite Volatilität wird mit 25 % angegeben. Dies bedeutet, dass der Markt/die Händler aktuell mit einer Standardabweichung von 250 € (1.000 * 25 %) bei dieser Aktie rechnen, also einer Bandbreite zwischen 750 € und 1.250 €.


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Implizite Volatilität Optionen: Ihre Bedeutung im Optionshandel

Eine höhere IV bedeutet, es wird eine höhere Schwankungsbreite der Basiswerte erwartet.

Werden hohe Schwankungen der Kurse in der Zukunft erwartet, steigt die implizite Volatilität an. Sie ist somit eine Art Angstbarometer und zeigt, wie die Händler die Aktie oder den Markt aktuell einschätzen.

Die Kennzahl drückt hierbei die Höhe der Schwankungsbreite aus, unabhängig von der Richtung. Die Kurse können also steigen oder fallen.

Der Preis einer Option korreliert in der Regel mit der IV:

Optionen mit höheren impliziten Volatilitäten sind teurer und Optionen mit niedrigeren impliziten Volatilitäten sind günstiger

Erste Idee für Dein Trading

Als erste Idee für Dein Trading kannst Du daraus folgendes ableiten:

Anhand der IV kannst Du für Dich das Risiko bestimmen, welches Du für Deine Optionstrades eingehen möchtest (Vergleiche Ist Trading Glücksspiel?)


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Nehmen wir an, der Kurs Deines Underlying liegt bei 100 €, die implizite Volatilität wird Dir von Deinem Broker mit 25 % angegeben und Du möchtest eine Option mit einer Restlaufzeit von 30 Tagen handeln.

Um Dein Risiko korrekt einschätzen zu können, stellt sich jetzt die Frage, welchen Basispreis Du bei den Optionen handeln solltest: Sehr nah am Geld (in the money) oder eher weiter aus dem Geld (out of the money).

Die 1. Standardabweichung als Risikofaktor

Setzt Du die Daten, welche Dir zur Verfügung stehen, in die unten aufgeführte Formel ein, wirst Du den Wert 7,1 berechnen (gerundet 7).

Das bedeutet, dass der Kurs von 100 € in den nächsten 30 Tagen sich in einer Bandbreite von 100 € +/- 7 € bewegen wird, also zwischen 93 € und 107 €.


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Jetzt kommt das Spannende:

Was Du gerade berechnet hast, entspricht der 1. Standardabweichung und bedeutet somit, dass die Kurse mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 % innerhalb dieser Range notieren werden!

Als ich dies zum ersten Mal gelesen und halbwegs verstanden hatte, war ich sofort Feuer und Flamme für den Optionshandel, da ich hier einen klaren statistischen Vorteil für mich als Trader draus ableiten kann (Bei normalen Trades hast Du in der Regel nur eine Quote von 50 % Gewinnchancen: Die Kurse steigen und Du gewinnst oder die Kurse fallen und Du verlierst, also 50:50).

It´s a numbers game

In meinen Coachings erarbeite ich mit den Teilnehmern auf dieser Basis jeweils individuelle Handelsansätze, konform der Risikoneigung des jeweiligen Teilnehmers.

Fazit: In meinen Augen ist erfolgreiches Trading ein numbers game, welches viel mit Wahrscheinlichkeiten von Gewinnen und Verlusten (Statistik) und wenig mit Zufall und Intuition zu tun hat.


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Volatilitätsindex: VIX

Die Volatilität kann für Dich als Optionstrader aber noch in anderer Hinsicht interessant sein:

Neben der Beurteilung möglicher Kursverläufe einzelner Aktien wird sie auch als "Angstbarometer" offiziell gemessen. Du möchtest also nicht nur über eine einzelne Aktie nachdenken, sondern wissen, in welche Richtung der Markt aktuell tendiert.

Merksatz: The trend is your friend!

Du möchtest dies wissen, um nicht ggf. mit Deiner Handelsentscheidung "gegen" den Markt zu handeln.

Wie verhält sich der ganze Markt?

Der VIX (Volatilitätsindex) ist der sogenannte CBOE-Marktvolatilitätsindex (CBOE = Chicago Board Option Exchange, größte Optionsbörse der USA) und gibt die implizite Volatilität des S&P 500 (Aktienindex, der die umsatzstärksten 500 US-Werte beinhaltet) für einen Zeitraum von 30 Tagen an.

Er ist frei zugänglich im www unter http://vixcentral.com/ abrufbar.

Zusammenhang zwischen Kursen und Volatilität

Die Entwicklung der Kurse und die Volatilität haben eine negative Korrelation. Das bedeutet:

  • Die Kurse steigen => Volatilität sinkt
  • Die Kurse sinken => Volatilität steigt

Die Höhe des VIX gibt Dir eine Aussage darüber, wie die Händler/der Markt die kurzfristige Zukunft und den Verlauf der Kurse einschätzen.

Angezeigt wird Dir die Höhe des VIX in der folgenden Grafik mit der grünen gestrichelten Linie und dem dazugehörigen Wert; 19,55 in diesem Beispiel

Wie die genaue Höhe des VIX zu beurteilen ist, ist ebenfalls fester Bestandteil meiner Coachings.


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Du solltest Dich jedoch nicht nur mit der Höhe des VIX beschäftigen, sondern auch noch eine weitere Information aus der Grafik ablesen: Den Verlauf der Termin-Struktur-Kurve.

Die Termin-Struktur-Kurve TSK

In der obigen Abbildung siehst Du neben der horizontalen, grün-gestrichelten Line (VIX) auch noch die blaue Line, welche leicht ansteigend verläuft.

Dies ist die sogenannte Termin-Struktur-Kurve und die gibt Dir ebenfalls über die Markteinschätzung der Händler über die Zukunft.

Grundsätzlich ist der VIX nicht handelbar. Wenn Händler sich also gegen Risiken (Kursschwankungen) absichern wollen, kaufen Sie Terminkontrakte, sogenannte Futures.

Diese Terminkontrakte haben eine Laufzeit und die Laufzeit ist - neben anderen Aspekten - für den Preis des Futures verantwortlich. Die Preisfindung folgt dabei der einfachen Logik: Je länger die Laufzeit, desto höher der Preis, da ja ein größeres Risiko abgedeckt wird.

Die Verlaufsformen der TSK

Die Termin-Struktur-Kurve zeigt nun den Verlauf der Futures-Preise in der Zukunft. Und weil die Preise bei einer normalen Marktlage mit der Länge der Laufzeit zunehmen, steigt die Kurve normalerweise an.

Man nennt diesen Zustand Contango; die obige Grafik zeigt das idealtypische Bild.

Warum kann man an der TSK nun die Gemütslage der Händler ablesen?

Nun, wenn Händler mit kurzfristigen Kursschwankungen rechnen, kaufen Sie extrem kurzfristige Futures, um ihre Positionen gegen die Schwankungen abzusichern.

Das bedeutet, die Preise für kurzfristige Futures steigen über die Preise für langfristige und die TSK ändert ihre Verlaufsform, von ansteigend zu abfallend.


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Die obige Grafik zeigt beispielhaft eine solche Situation: Die Kurve fällt ab.

Wir nennen diese Verlaufsform Backwardation.

Die Richtung und der Verlauf der Termin-Struktur-Kurve geben Dir also Auskunft über die Gemütslage der Händler.



Das Vega

Die Volatilität ist im Optionshandel so wichtig, dass dafür eine eigene Kennzahl ins Leben gerufen wurde: Das Vega (Teil der Optionsgriechen).

Das Vega gibt an, wie sich der Wert der Option verändert, wenn sich die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt verändert

Hierbei gilt folgender Sachverhalt:

Die implizite Volatilität ist der Indikator für die Preisentwicklung auf dem Optionsmarkt.

Wenn die Kurse fallen, nimmt die Unsicherheit zu. Die implizite Volatilität steigt und die Optionspreise ziehen an.

Wenn die Kurse steigen, nimmt die Unsicherheit ab. Die implizite Volatilität sinkt und die Optionspreise fallen.

Interpretation des Vega

Verdeutlichen wir uns den Zusammenhang noch an dem folgenden Beispiel:

  • Du hast eine Option, welche aktuell zu 1,00 USD gehandelt wird
  • Das Vega wird Dir mit 0,5 angegeben und die IV mit 48 %

Sollte die IV sich nun um einen Prozentpunkt erhöhen (also auf 49 %), so würde der Optionspreis aus diesem Effekt um 0,5 USD ansteigen.

Der neue Kurs der Option wäre dann 1,50 USD.



Die implizite Volatilität und Dein Trading

Was kannst Du nun aus diesem Wissen für Dein persönliches Trading mitnehmen?

Nun, zunächst hast Du mit der IV und der TSK zwei Indikatoren kennen gelernt, welche Dir eine Übersicht darüber verschaffen können, wir institutionelle und professionelle Händler gerade den Markt einschätzen.

Zusammenfassung

Die IV gibt die Schwankungsbreite des Underlyings über die Restlaufzeit wieder.

  • Je höher die IV, desto höher ist die erwartete Schwankungsbreite und vice versa
  • Optionen mit einer hohen IV sind in der Regel teurer als Optionen mit einer niedrigen IV
  • Die IV steigt an, wenn die Unsicherheit an den Märkten zunimmt und verstärkt Optionen gekauft werden

Aus diesem Zusammenhang kannst Du nun verschiedenste Handelansätze ableiten.

Ganz einfach ausgedrückt könntest Du dabei folgendes berücksichtigen:

Strategie bei hoher IV

Als short-seller möchtest Du eine möglichst hohe IV nutzen, um Optionen möglichst teuer zu verkaufen und anschließend überproportional vom Zeitwertverfall und möglichen Rückgang der IV zu partizipieren.

Strategie bei niedriger IV

Ist die IV sehr niedrig, sind Optionen eher günstig und Du findest vermutlich gute Möglichkeiten, mit Long-Positionen (Kauf von Optionen) an der künftigen Marktentwicklung zu partizipieren.



Abschließend hoffe ich nun, dass Du durch diesen Artikel ein besseres Verständnis von Volatilität entwickelt hast und die implizite Volatilität erfolgreich in Dein Trading implementieren konntest, um somit noch bessere Renditen zu erzielen!

Dein Moneten-Magier


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