Bei stark steigenden oder fallenden Kursen: Der Long Straddle als Strategie

Wenn beispielsweise Unternehmen Kennzahlen veröffentlichen, kommt es oftmals zu kurzfristig heftigen Kursausschlägen. Mal nach oben, mal nach unten. Niemand kann vorhersagen, in welche Richtung es gehen wird. Mit dem Long Straddle als Strategie partizipierst Du von beiden Möglichkeiten.


Das Wichtigste in der Zusammenfassung

  • Der Long Straddle verbrieft grundsätzlich das Recht, den Basiswert zum Strikepreis kaufen bzw. verkaufen zu können
  • Der Long Straddle ist eine neutrale Strategie und partizipiert sowohl von stark fallenden als auch von stark steigenden Kursen
  • Für die Eröffnung eines Long Straddle zahlst Du eine Optionsprämie an den Verkäufer
  • Der Long Straddle ist eine "two-leg-strategy"; Du handelst eine Kombination aus einem Long Call und einem Long Put mit sowohl identischen Strike Preisen als auch Restlaufzeiten
  • Das Gewinnpotenzial ist bei dieser Strategie unbegrenzt
  • Das Verlustpotenzial ist auf die Höhe der gezahlten Optionsprämie beschränkt
  • Long Straddles partizipieren von einem Zunehmen der impliziten Volatilität
  • Der Zeitwertverfall arbeitet gegen den Long Straddle


Inhaltsverzeichnis

  1. Long Straddle Definition
  2. Marktbedingungen für den Long Straddle
  3. Das Setup des Long Straddle
  4. Das Long Straddle Payoff Diagramm
  5. Wie eröffnest Du einen Long Straddle?
  6. Wie schließt Du einen Long Straddle?
  7. Der Zeitwertverfall beim Long Straddle
  8. Die implizite Volatilität beim Long Straddle
  9. Einen Long Straddle anpassen
  10. Einen Long Straddle rollen
  11. Einen Long Straddle hedgen


1. Long Straddle Definition

Der Long Straddle ist eine Kombination aus zwei Optionen: Einem Long Call (Kauf einer Kaufoption) und einem Long Put (Kauf einer Verkaufsoption). Beide Optionen haben sowohl dieselbe Laufzeit als auch identische Strikepreise.


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2. Marktbedingungen für den Long Straddle

Du handelst einen Long Straddle, wenn Du mit stark steigenden oder stark fallenden Kursen rechnest und Du davon ausgehst, dass der Kurs des Underlyings am Verfallstag der Option entweder oberhalb des Strike des Long Call oder unterhalb des Strike des Long Put notieren wird.

Dein Long Straddle bedarf einen starken Kursbewegung, um die doppelt gezahlte Prämie für beide Long Positionen zu erwirtschaften. Außerdem ist ein Anstieg der impliziten Volatilität notwendig/hilfreich, um einen Gewinn zu erzielen.

Für die Eröffnung des Trades zahlst Du eine Prämie, und zwar für beide Long Positionen.

Das Risiko bei dieser Strategie ist begrenzt. Es beschränkt sich auf die Höhe der gezahlten Prämien für den Kauf der beiden Optionen.



3. Das Setup des Long Straddle

Einen Long Straddle eröffnest Du, in dem Du einen Call kaufst (Long Call) und gleichzeitig einen Put kaufst (Long Put). Beide Optionen haben sowohl denselben Strike als auch dieselbe Restlaufzeit.

Den Strike der beiden Optionen legst Du normalerweise "at the money": Du wählst also einen Strike, der in etwa dem aktuellen Kurs des Underlyings entspricht. Wahlweise kannst Du hier jedoch auch einen Strike etwas ober- oder unterhalb des aktuellen Kurses wählen; dadurch gewinnt die Strategie eher an einem bullishen/bearishen Charakter.

Die Summe der beiden gezahlten Prämien stellt gleichzeitig Dein maximales Verlustrisiko bei diesem Trade dar. Dein Long Straddle wird ein Gewinner, wenn es zu starken Bewegungen im Kurs des Underlyings kommt, egal in welcher Richtung und/oder einem Anstieg der impliziten Volatilität.

Dein Gewinnpotential bei dieser Strategie ist unbegrenzt.



4. Das Long Straddle Payoff Diagramm

Das Payoff Diagramm zeigt Dir das Risiko, welches für Dich beim Handel eines Long Straddle besteht. Für die Eröffnung zahlst Du eine Prämie, welche gleichzeitig Dein maximales Risiko widerspiegelt.

Durch die Kombination der beiden Long Optionen ergibt sich eine V-Form.

Angenommen, Du kaufst den Call für eine Prämie von 5 USD zum Strike von 100 USD und kaufst zeitgleich den Put für eine Prämie von 5 USD, dann hast Du insgesamt 10 USD Prämie gezahlt und Dein maximaler Verlust liegt bei 1.000 USD (10 USD x 100 Aktien).

Dein Break Even Point berechnet sich aus dem Strike abzüglich der gezahlten Prämie auf der Downside (90 USD) und zuzüglich der gezahlten Prämie auf der Upside (110 USD). Der Kurs muss also eine Bewegung von mindestens 10 USD machen und außerhalb dieser Range notieren, damit Du einen Gewinn machst.


long straddle payoff diagramm moneten magier




5. Wie eröffnest Du einen Long Straddle?

Um einen Long Straddle zu eröffnen, übermittelst Du eine Kauforder für einen Call und eine Kauforder für einen Put mit sowohl identischem Strike als auch Restlaufzeit.

Bei der Wahl des Strike sollte dieser möglichst nahe am Kurs des Underlyings, also "at the money" liegen. Sollte der Kurs der Aktie beispielsweise bei rund 100 USD notieren, so wären sowohl der Strike des Put als auch der Strike des Call zu 100 USD zu wählen.

  • Kauf eines Call zum Strike von 100 USD
  • Kauf eines Put zum Strike von 100 USD

Je länger Du die Restlaufzeit wählst, desto mehr Prämie musst Du für den Trade bezahlen. Ebenfalls hat der Kurswert des Underlyings einen massgeblichen Einfluss auf die Höhe der zu zahlenden Prämie: Die Prämie von Optionen auf einen Basiswert von 100 USD sind deutlich günstiger als Optionen auf einen Basiswert von 500 USD je Aktie.



6. Wie schließt Du einen Long Straddle?

Dein Ziel sollte darin bestehen, den Long Straddle vor Ablauf der Restlaufzeit zu beenden. Hierzu verkaufst Du einfach den Long Call und den Long Put an der Börse und erhältst dafür eine Prämie. Das Ziel der Strategie ist es, von einer starken Kursbewegung im Underlying und/oder einem Anstieg der impliziten Volatilität zu partizipieren.

Am Ende der Restlaufzeit ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Option "im Geld" liegt und die andere "aus dem Geld". Sollte der Kurs sich weit genug bewegt haben, sind die Prämieneinnahmen aus der Option "im Geld" so viel höher als der Verlust der Prämie der Option "aus dem Geld", so dass der Trade insgesamt erfolgreich war.

Sollte die eingenommene Prämie über der gezahlten Prämie für die Eröffnung des Trades liegen, hast Du einen Gewinn erzielt. Sollte die Einnahme unterhalb der gezahlten Prämie liegen, hast Du einen Verlust erzielt.



7. Der Zeitwertverfall beim Long Straddle

Das Theta, welches die Kennzahl im Optionshandel ist, die Dir den Zeitwertverlust pro Handelstag angibt, wirkt Deinem Trade entgegen. Der Zeitwert Deines Long Straddle nimmt jeden Tag an Wert ab. Um mit dieser Strategie erfolgreich zu sein, bedarf es demzufolge einer schnellen und starken Kursbewegung des Basiswertes, damit Du die Position gewinnbringend schließen kannst.

Aus diesem Grund werden Long Straddles gern vor besonderen Ereignissen gehandelt, die starke Kursbewegungen - egal in welche Richtung - wahrscheinlich werden lassen.



8. Die implizite Volatilität beim Long Straddle

Die implizite Volatilität IV gibt Dir die zukünftig erwartete Schwankungsbreite der Kurse des Underlyings an. Je höher die IV, desto teurer sind die Optionspreise, da höhere Kursschwankungen als Risiko eingepreist sind.

Dein Long Straddle profitiert demzufolge von einem Anstieg der IV, da dies zu einer Erhöhung der Optionsprämien führt und Du beim Verkauf (Schließen der Position) somit höhere Prämien erhältst als Du bei Eröffnung gezahlt hast.

Die IV wird gemessen mit der Kennzahl Vega gemessen, welche Dir angibt, um welchen Wert sich der Preis einer Option verändert, wenn die IV sich um einen Prozentpunkt ändert.



9. Einen Long Straddle anpassen

Dein Long Straddle hat nur einen begrenzten Zeitraum (Restlaufzeit), um Dir einen Gewinn zu bescheren und mehrere Faktoren wirken dem entgegen. Wenn

  • der Kurs des Basiswerts sich nicht stark genug bewegt (up or down) und/oder
  • der Kurs des Basiswerts sich nicht schnell genug bewegt und/oder
  • die implizite Volatiltiät abnimmt

verliert er schnell an Wert und Du wirst vermutlich einen Verlust erleiden. Du kannst in einem solchen Fall jedoch die Strategie anpassen und Deinen Trade adjustieren.

Sollte der Trade gegen Dich laufen und sich der Kurs der Aktie z.B. nicht bewegen, könntest Du einen Short Put mit einem Strike handeln, der unterhalb von 100 USD liegt und gleichzeitig könntest Du einen Short Call mit einem Strike handeln, der oberhalb von 100 USD liegt. So würde aus Deinem Long Straddle ein sogenannter Reverse Iron Butterfly werden.

Diese Adjustierung zieht zwei Konsequenzen nach sich: Die erhaltene Prämieneinnahme aus den beiden Short Trades vermindert Deinen maximalen Verlust. Im Gegenzug dazu wird jedoch auch das vorher unbegrenzte Gewinnpotenzial limitiert.

Verkaufst Du also beispielsweise einen Put zum Strike von 90 USD und einen Call zum Strike von 110 USD, erhältst Du dafür beispielsweise 4 USD Prämie. In einem solchen Fall würde sich Dein maximal möglicher Verlust um 400 USD auf nur noch -600 USD verringern. Dein maximal möglicher Gewinn reduziert sich jedoch im Gegenzug und berechnet sich aus der Spreadbreite (110 USD - 90 USD) abzüglich der insgesamt gezahlten netto Prämie. In diesem Beispiel verschiebt sich der Break Even Point also auf 94 USD bzw. 106 USD

  • Verkauf eines Put zum Strike von 90 USD
  • Verkauf eines Call zum Strike von 110 USD


long straddle adjustierung zu reverse iron butterfly moneten magier




10. Einen Long Straddle rollen

Sollte der Kurs des Underlyings nicht schnell genug die benötigte Kursbewegung vollziehen, kann der Long Straddle vorwärts gerollt werden. Dies bedeutet im Grunde genommen nichts anderes, als die beiden offenen Long Positionen zu schließen (zurückkaufen) und zwei neue Long Positionen zu eröffnen, jedoch mit einem Ablaufdatum, welches weiter entfernt in der Zukunft liegt. Hierdurch verlängerst Du die Laufzeit des Trades und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs noch den gewünschten starken und schnellen Ausbruch vollbringt.


long straddle vorwaerts rollen moneten magier


Die Verlängerung des Trades und damit die Erhöhung Deiner Gewinnchance hat natürlich seinen Preis: Der Rückkauf (Schließung Deiner aktuellen Position) und die Eröffnung eines neuen Long Straddle wird Dich unter dem Strich weitere Prämie kosten, beispielsweise 3 USD. In diesem Fall verschiebt sich das maximale Verlustrisiko um 300 USD auf -1.300 USD und die Break Even Points rutschen ebenfalls weiter auseinander (jeweils um die Höhe der gezahlten Prämie).



11. Einen Long Straddle hedgen

Nehmen wir mal an, der Kurs des Basiswerts geht gleich nach Eröffnung des Trades schon stark in eine Richtung. In diesem Fall kannst Du mittels Hedging (Absicherung) dafür sorgen, dass Du bereits erzielte Gewinne absicherst. Dies macht durchaus Sinn, da der Kurs des Underlyings auch wieder zurückkommen kann und der Buchgewinn damit wieder ausgelöscht werden würde.

Wenn der Kurs des Underlyings stark steigt, könntest Du beispielsweise den Long Put hoch rollen (aktuelle Position schließen und mit einem höheren Strike wieder eröffenen). Im entgegen gesetzten Fall von stark fallenden Kursen im Basiswert könntest Du alternativ die Long Call Position runter rollen (aktuelle Position schließen und mit einem niedrigeren Strike wieder eröffnen).

Angenommen, Du hast Deinen Long Straddle zum Strike von 100 USD eröffnet und für die Eröffnung eine Prämie von 10 USD gezahlt. Jetzt fällt der Preis des Underlyings schnell auf 95 USD. Zur Absicherung dieser Bewegung könntest Du nun den Long Call schließen (zurückkaufen) und einen erneuten Long Call zum Strike von 95 USD eröffnen. Diese Vorgehensweise wird Dich weitere Prämie kosten, reduziert jedoch Deinen maximal möglichen Verlust auf die Höhe des Spreads zwischen den beiden Positionen. In diesem Fall also 5 USD.



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